Ussé – Das Dornröschenschloss

A. in Wonderland, Part 3 Ussé wird in den Reiseführern gerne als das „Dornröschenschloss“ angepriesen. Diese Beschreibung ist absolut treffend, hinzuzufügen wäre nur noch die Ergänzung: Dornröschenschloss im Disney-Stil. Die bunte Mischung der architektonischen Dekoelemente vieler Jahrhunderte ergibt ein waschechtes Prinzessinnenschloss, dem es eindeutig an Orientierung und Understatement fehlt. Das Schloss wurde Anfang des 15.…

Chenonceau – Das Schloss der Damen

A. in Wonderland – Part 2 Als ich im besten Prinzessinnen-Alter war, unternahmen meine Eltern eine Reise ins Loire-Tal. Als Souvenir erhielt ich ein reich bebildertes Buch über die Loire-Schlösser, das ich unzählige Male durchblätterte. Vor die (zugegeben, imaginäre) Wahl gestellt, in welchem Schloss ich wohl mein Leben als Prinzessin verbringen würde, erwog ich gewissenhaft…

Villandry – Finesse & Grandezza im Würgegriff der Finanzen

A. in Wonderland – Part 1 Villandry gehört zu den beliebtesten Schlössern im Loiretal. Ohne die üblichen Wachsfigurenkabinette und son et lumièreSpektakel gelingt es dem eleganten Renaissancebau mit seinen umliegenden Gärten, jährlich über 350.000 Besucher in seinen Bann zu ziehen. Ich persönlich gehöre auch zu den bekennenden Fans. Denn Villandry strahlt eine schlichte Eleganz aus,…

Oliver Sacks: Zeit des Erwachens

Der „Zauberlehrling“ in einer dramatischen Neuinterpretation Das 20. Jahrhundert hat die Welt mit zahlreichen (größtenteils hausgemachten) Katastrophen heimgesucht. Die Verarbeitung dieser Traumata ist immer noch im Gange – nur so ist es zu erklären, dass heutzutage kaum noch jemand von der Europäischen Schlafkrankheit spricht. Dabei hat diese furchtbare Epidemie 1916-1927 über 5 Millionen Menschen hinweggerafft…

Loving Vincent

In unserer Familie gibt es geteilte Meinungen über Vincent van Gogh. Die Bessere Hälfte, glühender Anhänger fast zwanghaft positiven Denkens, kann wenig mit dem tragischen Selfieking des ausgehenden 19. Jahrhunderts anfangen. Zu inflationär sei seine Bilderflut, findet er, zu repetitiv seine Darstellungen. Die Minderjährige wiederum, mit einem feinen Gespür für alles Tiefgründige und Tragische ausgestattet,…

Oreste

In der Kammeroper wird „Oreste“ von Händel aufgeführt – eine große Freude für mich, habe ich doch von Kindheit an eine gewisse Schwäche für Barockopern. Ich mag die Strenge ihrer Rhythmik, die fast schon mantramäßige Repetitivität, das enge Korsett, in das so große Gefühle gezwungen werden. Nicht so die Bessere Hälfte, die findet, die Opferbereitschaft…